Gepäck für die Canadiertour: Wie ich meinen Solocanadier für 6 Tage gepackt habe
Sechs Tage, ein Boot, zusammen mit Marius – jeder im Soloboot. Erst auf der Ilmenau, dann auf die Mecklenburgische Seenplatte – Ende August, bei sommerlichen Bedingungen, aber mit dem Anspruch, auch bei Regen oder einer Kenterung einen trockenen Schlafsack zu behalten. Wie packt man ein solches Gepäck sinnvoll in einen Solocanadier? So habe ich es für mich gelöst – und so ist diese Kombination für mich aufgegangen.
Die Tour: 6 Tage im Solocanadier auf Ilmenau und Mecklenburgischer Seenplatte
Zwei Tage auf der Ilmenau, vier Tage auf der Mecklenburgischen Seenplatte – das war der Plan. Auf der Mecklenburgischen Seenplatte mit mehreren – zum Glück – kurzen Portagen. Kein Bootswagen im Gepäck, das heißt: Boot und Ausrüstung sollten sich in zwei Gängen tragen lassen. Und weil ich allein im Boot unterwegs war, musste jeder Handgriff für mich allein funktionieren.

Die Anforderungen an mein Gepäck
Bevor ich anfange, irgendetwas in Packsäcke zu stopfen, stelle ich mir immer die Frage: Was muss mein Gepäcksystem eigentlich leisten? Für diese Tour sah die Liste meiner Anforderungen so aus:
- Zelt für 2 Personen – ich mag es, Platz im Zelt zu haben. Faltstuhl und Tisch – auch Luxus…
- Verpflegung: Frühstück für alle Tage, Snacks, dreimal Abendessen für 2 Personen – der Rest wird unterwegs eingekauft
- Bei Portagen: zwei Gängen, ohne Bootswagen
- Alles muss in einen Bell Merlin II passen
- Konsequent wasserdichte Verpackung, für Regen genauso wie für den Fall einer Kenterung
- Trimmänderung bei wechselnden Windbedingungen sollte möglich bleiben
Das ist eine ganze Menge auf einmal – und genau deshalb lohnt es sich, das Gepäck nicht einfach „irgendwie“ ins Boot zu legen, sondern es als System zu denken. Über die Möglichkeit, wie man generell für Canadiertouren Ausrüstung verpacken kann, habe ich schon an anderer Stelle geschrieben: Gepäck
Meine Packliste: Zwei Canoe Packs, ein Rucksack, eine Tonne
Am Ende bin ich bei vier Gepäckstücken gelandet:

Canoe Pack 1 (ca. 50 Liter, mit Rucksackgurten, ca 12 kg)
- Packsack für das Zelt
- Packsack für Tisch und Stuhl
- Wasserdichte Tasche mit Rollverschluss (ca. 30 Liter) für das Küchenmaterial – der Vorteil dieser Tasche ist, dass ich schnell an alles herankomme
Canoe Pack 2 (ca. 50 Liter, mit Tump-Line, ca. 10 kg)
- Wasserdichte Tasche mit wasserdichtem Reißverschluss (ca. 40 Liter) für Schlafsack, Isomatte, Kissen und Kleidung fürs Camp
- Ein Sack für die Garderobe fürs Paddeln, das Regenzeug und ein zweites Paar Schuhe
Wasserdichter Rucksack (ca. 25 Liter, wasserdichter Reißverschluss, ca. 7kg)
- Geld, Karten, Ausweise, Schlüssel
- Technik: Powerbank, Kabel, Adapter, Stirnlampe
- Snacks und Wasserflasche
- Buch
- Handtuch und Badehose
- Wechselsachen
30-Liter-Tonne mit Spannring und Tragesystem, ca. 17 kg)
- Lebensmittel
Jedes Teil hat also seinen festen Platz – und ich weiß im Zweifel auf Anhieb, in welchem Pack ich suchen muss.

Warum diese Kombination funktioniert
Auf den ersten Blick klingt das nach vielen Gepäckstücken für eine Solotour. In der Praxis hat sich diese Aufteilung aber aus mehreren Gründen bewährt:
Genug Stauraum, mit Reserve. Alles hatte Platz, ohne dass ich etwas quetschen musste – und es blieb sogar noch Luft für Unvorhergesehenes.
Alles einfach im Zugriff. Durch die kleineren „Unterverpackungen“ musste ich nicht in großen Säcken wühlen
Alles passt ins Boot. Auch mit Reserve ließ sich das komplette Gepäck im Bell Merlin II unterbringen, ohne dass ich Kompromisse bei der Zuladung eingehen musste.
Trimm bleibt anpassbar. Weil das Gepäck auf mehrere Packs statt auf ein einziges großes Packstück verteilt ist, konnte ich bei wechselndem Wind gezielt Gewicht nach vorn oder hinten verlagern.
Portage in zwei Gängen. Im ersten Gang trage ich Boot und Rucksack. Im zweiten Gang stapele ich die beiden Canoe Packs übereinander auf dem Rücken und nehme die Tonne in die Hand. Kein Bootswagen nötig, kein dritter Gang.
Skalierbar. Für eine längere Tour ließe sich das System einfach um eine weitere Tonne für Lebensmittel erweitern, ohne die Grundstruktur zu verändern.
Wenig Windangriffsfläche. Weil die Packhöhe im Boot niedrig blieb, ragte das Gepäck kaum über den Süllrand hinaus – bei Wind auf offenem Wasser ein Vorteil, den man nicht unterschätzen sollte.
Fazit
Ein durchdachtes Packsystem ist bei einer Solotour mit Portagen kein Luxus, sondern die halbe Miete. Zwei Canoe Packs, ein wasserdichter Rucksack und eine Tonne – diese Kombination hat mir auf der Ilmenau und der Mecklenburgischen Seenplatte alles geboten, was ich brauchte: genug Volumen, klare Ordnung, wasserdichten Schutz und die Möglichkeit, den Trimm im Boot anzupassen. Und beim Umtragen musste ich nicht dreimal laufen.

→ Hilfsmittel Canadier – übergeordnete Kategorie
→ Dealee Bob / Bungees – Befestigung von Kleinigkeiten im Boot
→ Gepäck – Wie kann ich Ausrüstung generell verpacken?
→ Seile und Knoten – Wer mit Gepäck unterwegs ist, hat meist auch Seile dabei.
Canoe Packs sind in Deutschland schwer zu bekommen. Deshalb an dieser Stelle eine kurze Werbung für meinen Freund Bene von outdoorbaehr.de. Hier gibt es (neben anderen Canoe Packs und weiteren schönen Dingen) den für mich idealen Recreational Barrel Works Courier 2-Part Canoe Pack.
