Boote und Seile gehören irgendwie zusammen, gerade auch im Canadier. Viele Menschen haben aber vor Knoten geradezu Angst.
Deshalb will ich mal probieren, das ein bisschen zu sortieren.
Es gibt unterschiedliche Anwendungsbeispiele für Seile. Natürlich kann man einfach irgendeinen Tampen nehmen und den mit irgendeinem gordischen Knoten festtüdeln. Das geht. Man kann auch mit einem Doppelpaddel oder mit einem Motor im Canadier unterwegs sein. Das geht auch…
Wenn wir den ganzen Teil Wildwasser-Rettung mal ausklammern, dann kann man den ganzen Themenkomplex „Seile und Knoten“ stark vereinfachen. Im Touring gibt es zwei Hauptanwendungen für Seile:
- Das Boot irgendwo am Land (Steg oder Ufer) festmachen
- Nach einer Kenterung den Kontakt zum Boot halten
- Das Boot treideln (im Norden Deutschlands fast vernachlässigbar)
In diesen Situationen sind die Anforderungen an ein Seil nicht besonders hoch:
| Festmachen | Bootsbergung | Treideln | |
| Bruchlast | Muss nicht hoch sein | Muss nicht hoch sein | Muss nicht all zu hoch sein |
| Schwimmfähig | Unwichtig | Wichtig | wichtig |
| Länge | Lang genug, gerne um 5 Meter | Nicht zu lang, nicht über 2 m, weil es sich sonst zu schnell verheddert | Lang, gerne auch die doppelte Bootslänge |
| Farbe | unwichtig | Auffällig | unwichtig |
| Gute Knotbarkeit | praktisch | unwichtig | praktisch |
Ein Seil aus Polypropylen ist das Seil der Wahl: es gibt die unterschiedlichsten Farben, es ist schwimmfähig und gut knotbar. Die Bruchlast reicht für unsere Anwendungsfälle sicher aus, vor allen Dingen wenn wir wenigstens 0,8 mm Seildurchmesser wählen. Diese Dicke ist mindestens zu empfehlen, weil das Seil dann besser in der Hand liegt. Seile aus Polypropylen gibt es in den unterschiedlichsten Farben, Mustern und Durchmessern.

Seil vor dem Einsatz bearbeiten
Neu gekaufte Seile wurden zum Ablängen in der Regel mit einem Heißschneider geschnitten. Das hat den Vorteil, dass sich die einzelnen Fäden des Seils nicht voneinander trennen, weil sie miteinander verschmelzen. Das hat aber oft den Nachteil, dass die Seile am Ende durch die Verschmelzung hart und scharfkantig sind, breiter als der Seildurchmesser sind und sich die Enden beim Knoten häufig im Seil verhaken. Daher lohnt es, die Enden nachzubearbeiten. Dazu erwärmt man mit einer kleinen Flamme (Kerze oder Feuerzeug) einen Bereich kurz vor dem Seilende so lange, bis das Seil im Durchmesser etwas geschrumpft ist. Anschließend schneidet man in der Mitte dieser geschrumpften Stelle das seil durch, flämmt es an, bis alle Fäden verschmolzen sind und formt das weiche Material, so dass keine hakeligen Stellen mehr zu fühlen sind und das Seil leicht konisch endet.

Nun geht es um Knoten.
Wo müssen wir das Seil knoten?
- Befestigung des Seil an Bug und Heck
- Fixierung des losen Endes beim Transport des Bootes
- Längenanpassung des Seils
Befestigung an Bug und Heck
Es bietet sich an, Leinen an beiden Bootsenden anzubringen. Sowohl für Rettungssituationen als auch zum Festmachen ist es praktisch, zwei Leinen zur Verfügung zu haben. Diese zwei Leinen werden im Englischen auch als „Painter“ bezeichnet. Es ist sinnvoll, das Seil so weit wie möglich am Ende des Bootes anzubringen. Gibt es Schlaufen, dann benutzen wir diese, sonst nehmen wir die erste – meist zum Tragen gedachte – Ducht.
| Knoten | Vorteile | Nachteile |
| Palstek | Schnell zu knoten | Etwas schwieriger zu lernen Schlaufe u.U. nicht eng |
| Gesteckter doppelter Achter | Leicht zu lernen | Dauert länger zu knoten Geht schlecht wieder auf Schlaufe u.U. nicht eng |
| doppelter Achter als Schlaufenknoten | Kann vorbereitet werden Leicht zu lernen Schlaufe eng | Die Öse muss eng sein, damit die Schlaufe eng bleibt „verbraucht“ viel Seil |
| „halber“ doppelter Spierenstich | Schnell zu knoten Schlaufe eng | Schwierig zu lernen |

Knoten von Oben nach Unten:
- „halber“ doppelter Spierenstich (mein favorisierter Knoten)
- Palstek
- gesteckter doppelter Achter
- gesteckter doppelter Achter als Schlaufenknoten
Fixierung des losen Endes beim Transport
Um die Leine beim Transport des Canadiers zu fixieren, bietet sich ein auf Slip gelegter Webleinstek an einer Ducht oder einer Sitzbank an. Ein so fixiertes Seil ist aus dem Weg und schleift beim Transport auf der Schulter oder über dem Kopf nicht auf der Erde. Vor Antritt der Fahrt nicht vergessen, das Seil zu lösen!

Längenanpassung des Seils
Lose Seile über 1,50/2,00 m haben – so scheint es – das Bedürfnis, sich zu verknoten. Daher wählt man Seile zum Festhalten bei Rettungssituationen selten länger. Wenn aber das Boot am Ufer festgemacht wird und der nächste Baum weiter entfernt steht, sind 1,50 m oft zu wenig. Natürlich könnte man ein weiteres Seil anknoten – aber wer will das?
Die Lösung? Das Seil mit Hilfe von „Luftmaschen“ verkürzen. Ist das verkürzte Seil nicht lang genug, dann kann man es einfach bis auf die Gesamtlänge verlängern. Diese Luftmaschen werden auch als Daisy-Chain bezeichnet und in unterschiedlichen Anwendungsbereichen ein bewährtes Mittel, ein Seil zu verkürzen. Übrigens: mit der Daisy-Chain verkürzt man das Seil etwa um den Faktor 3.

Nachtrag: wer die gezeigten Knoten lernen möchte, findet im Netz diverse – auch gute – Anleitungen.
